Für viele Unternehmen sind Batterien immer noch mit einer Funktion verbunden: Notstromversorgung. Doch die Rolle von Battery Energy Storage Systems (BESS) hat sich dramatisch gewandelt.
Getrieben durch steigende Stromkosten, volatile Verbrauchsmuster und den zunehmenden Bedarf an Flexibilität ist BESS zu einem strategischen Unternehmenswert geworden – einem, der die operative Effizienz verbessert und neue Einnahmequellen erschliesst.
Grosse industrielle Verbraucher in der Schweiz sind besonders gut positioniert, davon zu profitieren. Mit vorhersehbaren Lastprofilen, hohen Energiekosten in Spitzenzeiten und wachsender Elektrifizierung (Prozesswärme, Elektromobilität, Kühlung) bietet BESS sowohl finanzielle als auch betriebliche Vorteile.
1. Peak Shaving: Reduzierung der Netzspitzenlast
Für Industrieunternehmen wird ein erheblicher Teil der Stromkosten durch die Spitzenlast und nicht durch den Gesamtverbrauch bestimmt. Selbst ein kurzer Leistungsspitzenwert – etwa beim Start eines Motors, beim Betrieb eines Kompressors oder bei steigender Kühlanforderung – kann die jährlichen Netzentgelte erhöhen.
Wie BESS hier Werte schafft:
• Dies reduziert die Spitzenleistung und senkt die Netztarife für das gesamte Jahr.
• Einsparungen können für Standorte mit schweren Maschinen oder variabler Produktion erheblich sein.
Typischer Vorteil: 10–30 % Reduktion der jährlichen netzbezogenen Kosten. Peak Shaving ist oft der erste und greifbarste Business Case und erfordert keine Änderungen am Produktionsprozess.
2. Lastverschiebung: Optimierung des Energieverbrauchs
Die Strompreise schwanken im Tagesverlauf erheblich. Mit dynamischen Tarifen und dem zunehmenden saisonalen Unterschied zwischen mittäglichen Solarspitzen und der abendlichen Nachfrage können Unternehmen ihre Kosten optimieren, indem sie den Verbrauch in günstigere Zeiträume verlagern.
Wie BESS hier Werte schafft:
• Aufladen in Niedrigpreisphasen (z. B. bei überschüssigem Solarstrom am Mittag)
• Entladen in teuren Stunden (früher Morgen, abendliche Spitzenzeit)
• Reduzierung der Preisvolatilität und Verbesserung der Kostenplanbarkeit
Für Standorte mit elektrischen Heizkesseln, Wärmepumpen, Kühlsystemen oder EV-Flotten kann Lastverschiebung direkt in die operative Planung integriert werden, ohne die Produktion zu reduzieren.
3. Netzdienstleistungen: Flexibilität wird zur Einnahmequelle (insbesondere aFRR)
Der Schweizer Markt für Netzdienstleistungen – vor allem die automatische Frequency Restoration Reserve (aFRR) – belohnt Anlagen, die schnell reagieren können, um das Netz zu stabilisieren.
BESS eignet sich dafür besonders gut, da es innerhalb von Sekunden reagieren kann.
Potenzial von aFRR für Unternehmen:
• BESS liefert Leistung nach oben oder unten, wenn die Netzfrequenz abweicht.
• Der Systembetreiber zahlt sowohl für Verfügbarkeit als auch für Aktivierung.
• Industrieunternehmen erzielen Einnahmen, ohne die Produktion zu unterbrechen.
• Batterien können zwischen aFRR-Einsatz und interner Nutzung (z. B. Peak Shaving) wechseln – je nach Rentabilität.
In der Praxis führt die Kombination aus interner Optimierung und Teilnahme am aFRR-Markt häufig zu dem stärksten wirtschaftlichen Ergebnis.
4. Notstromversorgung: Weiterhin wichtig – aber nur eine von vielen Funktionen
Obwohl sich die Rolle von BESS erweitert hat, bleibt die Notstromkapazität für Industriebereiche mit kritischen Prozessen, Kühlketten, Automationssystemen oder sicherheitsrelevanter Ausstattung wertvoll.
Im Vergleich zu Dieselgeneratoren bietet BESS:
• Sofortige Umschaltung
• Keine Schadstoffe oder Lärm
• Geringere Wartung
• Möglichkeit, ungenutzte Kapazitäten zwischenzeitlich zu monetarisieren
Backup wird ein integrierter Bestandteil eines umsatzgenerierenden Vermögenswerts, nicht der einzige Zweck.
5. Ein strategischer Puffer für industrielle Flexibilität
Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Heizprozessen, Mobilität und Produktionsanlagen stehen Unternehmen vor:
• höheren Netzgebühren
• steigenden Lastspitzen
• komplexeren Lastmustern
• stärkerer Abhängigkeit von zuverlässiger Versorgung
BESS bietet einen flexiblen Puffer zwischen Betrieb und Netz. Industrieanlagen gewinnen dadurch:
• planbare Energiekosten
• höhere Resilienz
• optimierte Eigennutzung von PV-Strom
• Flexibilität für zukünftige Technologien (E-Mobilität, Wärmepumpen, Sektorkopplung)
Für viele Unternehmen sind Batterien nicht mehr nur ein „nice to have“, sondern ein Instrument zur Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz.
Fazit: Vom Kostenfaktor zum Profittreiber
Battery Energy Storage Systems werden zu Standardbausteinen moderner industrieller Energiesysteme. Sie senken Kosten, eröffnen neue Einnahmequellen, stabilisieren die Produktion und unterstützen die breitere Energie-Transformation in der Schweiz.
Für Unternehmen, die Elektrifizierung, PV-Erweiterung, E-Mobilität oder Sektorkopplungskonzepte in Betracht ziehen, liefert ein BESS die Flexibilität, die zur Bewältigung von Komplexität – und zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen – erforderlich ist.
